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E-Rechnungspflicht in der EU: Welche Länder sind betroffen?

30 .03 .2020

E-Rechnungspflicht in der EU

Die EU-Richtlinie 2014/55/EU verpflichtet öffentliche Auftraggeber dazu, dass sie in der Lage sein müssen, elektronische Rechnungen zu empfangen und zu verarbeiten. Bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht gehen viele EU-Staaten aber weiter und führen auch eine E-Rechnungspflicht für die Auftragnehmer ein: Rechnungen an öffentliche Auftraggeber müssen elektronisch sein, die Papierform wird nicht mehr akzeptiert. Italien geht sogar so weit, dass sämtliche inländische Rechnungen, auch an Unternehmen und Privatpersonen, elektronisch sein müssen.

Die letzte Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie endet im April 2020, daher gibt es aktuell viel Bewegung bei den Regelungen auf nationaler Ebene. Dieser Blogartikel gibt einen Überblick zum Status Quo (März 2020) zu ausgewählten EU-Mitgliedsstaaten* und beantwortet die wichtigste Frage: Sind Sie als Rechnungssteller verpflichtet, E-Rechnungen zu versenden? Wenn ja, welches Format ist erforderlich, wie sind die Fristen dazu und gibt es weitere besondere Punkte zu beachten?

Belgien

Ja und nein. Behörden in der flämischen Region nehmen seit 2018 keine Papierrechnungen mehr an, landesweit gilt die Pflicht zur E-Rechnung nur ab der Wertgrenze von 135.000 EUR. Für die Einreichung von E-Rechnungen gibt es das Portal „Mercurius“ (https://digital.belgium.be/e-invoicing/MercuriusLogin.html).

Deutschland

Ja und Nein. Aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands gibt es unterschiedliche Regelungen. Öffentliche Auftraggeber des Bundes und des Landes Bremen haben E-Rechnungen zum Beispiel zum November 2020 verpflichtend gemacht. Bei den anderen Bundesländern gibt es entweder keine Pflicht oder die Entscheidung ist noch nicht getroffen. Das präferierte Format für Deutschland heißt „XRechnung“.

Griechenland

Nein, eine E-Rechnungspflicht gibt es zwar nicht, aber es soll eine verpflichtende E-Buchhaltung eingeführt werden.

Irland

Nein, die Verpflichtung zur E-Rechnung gilt nur für die Annahme, aber nicht für den Versand. Die Fristen hierfür sind 18. April 2019 bzw. April 2020.

Italien

Ja, für B2G-Rechnungen gilt die Pflicht bereits seit 2015. Zum 01. Januar 2019 wurde diese Pflicht auf inländische B2B- und B2C-Rechnungen in Italien ausgeweitet. Die Rechnungen müssen im XML-Format „FatturaPA“ ausgestellt werden und über das Austauschsystem SDI („Sistema di Interscambio“) versendet werden.

Kroatien

Ja, seit 01. Juli 2019 sind elektronische Rechnungen bei allen B2G-Rechnungen verpflichtend. Die Rechnungen sollten auf dem Format Oasis UBL 2.1 basieren.

Niederlande

Ja, bereits seit 01. Januar 2017 sind elektronische Rechnungen für alle Rechnungen an die Zentralregierung verpflichtend. Rechnungen müssen im Format UBL-OHNL ausgestellt sein. Zum 18. April 2019 wurde diese Pflicht ausgeweitet und gilt nun für Rechnungen an alle öffentlichen Auftraggeber.

Österreich

Ja, bereits seit 01. Januar 2014 sind elektronische Rechnungen bei allen B2G-Rechnungen verpflichtend. Der Versand erfolgt über www.e-rechnung.gv.at, die aktuellen Versionen der Formate ebInterface und PEPPOL-UBL werden unterstützt.

Polen

Ja, die Verpflichtung zur E-Rechnung gilt für öffentliche Auftraggeber seit 26. November 2018, ab 01. November 2020 wird sie ebenfalls für die Auftragnehmer gelten.

Schweden

Ja, für B2G-Rechnungen sind elektronische Rechnungen seit April 2019 verpflichtend. Die Rechnungen müssen über SFTI (Single Face to Industry) ausgetauscht werden.

Spanien

Ja, für B2G-Rechnungen sind elektronische Rechnungen bereits seit 2015 verpflichtend. Als Format dafür ist „FacturaE“ vorgeschrieben.

Tschechien

Nein, die Verpflichtung zur E-Rechnung gilt nur für die Annahme, aber nicht für den Versand. Die Frist für die Annahmepflicht war der 01. April 2019 bzw. ist der 01. April 2020.

Ungarn

Nein, aber ungarische Unternehmen sind verpflichtet, B2B-Rechnungen über HUF 100.000,- (ca. 300 EUR) über das System NAV („Nemzeti Adó- és Vámhivatal“) innerhalb von 24 Stunden elektronisch an das zuständige Steueramt zu senden.

Zypern

Nein, eine Verpflichtung wird aktuell aber im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/55/EU diskutiert.

Mehr zur elektronischen Rechnung in Deutschland finden Sie auch im Blogartikel „Das ABC der XRechnung".

 


*Leider ließen sich nicht zu allen EU-Mitgliedsstaaten aktuelle Informationen finden. Der vorliegende Blogartikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit.

Autor

Dina Haack

Dina Haack

Produktmarketing Managerin bei der xSuite Group - Dina Haack ist seit rund 10 Jahren in der B2B-Softwarebranche zu Hause. Bei xSuite in Ahrensburg verantwortet sie das Produktmarketing. Themenschwerpunkte: SAP-integrierte Rechnungsverarbeitung, elektronische Rechnungen und XRechnung