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E-Invoicing in Asien: Ein Überblick über den Status Quo

14 .10 .2021

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In den vergangenen Jahren hat das Thema E-Invoicing nicht nur in Europa, sondern weltweit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Tatsächlich hat ein aktueller Report des Schweizer Beratungsunternehmens Billentis aufgezeigt, dass Asien derzeit den größten Wachstumsmarkt für E-Invoicing darstellt.

Während in den verschiedenen Ländern teils unterschiedliche Konzepte eingesetzt werden, erhält der in Europa entwickelte Peppol Standard auch in Asien zunehmend Zuspruch. Da OpenPeppol unterschiedliche Methoden der Datenübermittlung unterstützt, besteht die Möglichkeit, verschiedene länderspezifische Anpassungen des Standardformats vorzunehmen und so individuell auf lokale Anforderungen zu reagieren.

Als Treiber für die Umsetzung eines einheitlichen E-Invoicing-Standards wird oft die Prozesserleichterung für Unternehmen genannt. Ein nicht zu unterschätzender Punkt ist aber auch die Sicherstellung der korrekten Steuerabfuhr durch eine erhöhte Transparenz im gesamten Rechnungsprozess.

Einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in Ostasien, Südostasien und der südlichen Hemisphäre finden Sie im Folgenden. Dabei gehen wir zuerst auf die Länder ein, die sich noch in der Planungsphase befinden, und betrachten anschließend jene, die bereits ein vollständiges E-Invoicing-System eingeführt haben.

In Vorbereitung

Malaysia
In Malaysia wird seit längerer Zeit über die Einführung eines E-Invoicing Standards diskutiert. Während ein erstes Konzept bereits steht, sind noch keine genaueren Informationen zur technischen Umsetzung bekannt. Feststeht, dass Unternehmen zunächst nicht zur Nutzung von E-Invoicing verpflichtet werden sollen, sondern selbst entscheiden können, ob sie ihre Rechnungen zukünftig elektronisch übermitteln.

Thailand
Während Unternehmen in vielen Ländern dazu verpflichtet werden, ihre Ausgangsrechnungen als E-Rechnung zu verschicken, haben in Thailand derzeit nur ausgewählte Unternehmen die Erlaubnis, ihre Rechnungen im elektronischen Format an ihre Kunden zu übermitteln. Nur wenn bestimmte Anforderungen, wie zum Beispiel eine gewisse Mindestgröße, erfüllt werden, dürfen auch im B2B-Umfeld E-Invoices versendet werden. Langfristig soll der papierlose Rechnungsversand für alle Unternehmen in Thailand vereinfacht werden.

Einführung in 2022

Australien und Neuseeland
In Australien und Neuseeland wurde E-Invoicing im Jahr 2019 offiziell eingeführt. Zum Einsatz kommt das Peppol-Netzwerk, das Format wurde allerdings um einige länderspezifische Datenfelder erweitert, um noch besser auf die lokalen Anforderungen eingehen zu können. Alle Rechnungen, die zwischen zwei Unternehmen oder zwischen einem Unternehmen und einer staatlichen Einrichtung ausgetauscht werden, müssen ab dem 1. Juli 2022 verpflichtend als elektronische Rechnung verschickt werden. Als zusätzlichen Anreiz und um zu gewährleisten, dass möglichst viele Unternehmen auf den E-Invoicing Zug aufspringen, haben beide Länder angekündigt, dass alle Rechnungen, die per E-Invoice verschickt werden, innerhalb von 5 (Australien) bzw. 10 Werktagen (Neuseeland) bezahlt werden, sodass es auf diesem Wege zu keinerlei Zahlungsverzögerungen kommt.

Japan
Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern hat Japan erst kürzlich angekündigt, zukünftig einen E-Invoicing Standard einführen zu wollen. Als Grundlage soll auch hier das Peppol Netzwerk Anwendung finden. Der japanische Verband EIPA (E-Invoice Promotion Association) hat es sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen ab dem zweiten Halbjahr 2022 zum Versand und Empfang von elektronischen Rechnungen zu befähigen.

Philippinen
In den Philippinen soll im Jahr 2022 ein E-Invoicing Pilotprogramm gestartet werden, welches dann im Jahr darauf landesweit ausgerollt werden soll. Technisch soll das E-Invoicing System auf einer Portal-Technologie basieren, bei der Unternehmen die Daten ihrer Ausgangsrechnungen zunächst elektronisch an ein zentrales Portal übermitteln, wo sie von der Regierung erfasst und überprüft werden können. Im Anschluss wird die Rechnung an den eigentlichen Empfänger versendet.

Vietnam
Vietnam befindet sich derzeit ebenfalls in der Einführungsphase eines eigenen E-Invoicing Konzepts namens GDT: E-Invoicing. Ab Juli 2022 soll es für alle Unternehmen verpflichtend sein, sämtliche Rechnungen für Transaktionen, die in Vietnam durchgeführt werden, digital auszustellen und zu verarbeiten.

Bereits implementiert und in vollem Gange

Indien
Indien hat 2021 mit der Einführung eines landesweiten E-Invoicing-Mandats namens GST E-Invoicing begonnen und ist derzeit dabei, den Umfang dieses Mandats auszuweiten. Alle Unternehmen müssen ihre ausgehenden Rechnungen zunächst in einem zentralen Portal hochladen. Nach der Überprüfung der Rechnungsdaten wird ein Barcode generiert, der auf der Rechnung an den Kunden aufgebracht werden muss. Ziel des E-Invoicing Standards ist es, sicherzustellen, dass Unternehmen ihre Steuern ordnungsgemäß abführen.

Südkorea
Der asiatische E-Invoicing Spitzenreiter Südkorea hat bereits im Jahr 2011 das E-Invoice Konzept e-Tax eingeführt. Unternehmen sind seitdem dazu verpflichtet, die Daten ihrer Ausgangsrechnungen elektronisch an ein zentrales Portal zu übermitteln, sodass diese von der Regierung erfasst und überprüft werden können. Erst im Anschluss wird die Rechnung an den eigentlichen Empfänger versendet.

Indonesien
Bereits seit 2013 findet in Indonesien der E-Invoicing Standard E-Faktur Pajak Anwendung. Jedes Unternehmen muss die Daten seiner Ausgangsrechnungen zunächst an die zuständige Steuerbehörde übermitteln, bevor die Rechnungen an den Kunden verschickt werden können.

China
Das in China eingesetzte E-Invoicing System nennt sich Golden Tax System und gilt für alle Unternehmen, die innerhalb von China Geschäfte abwickeln. Ähnlich wie in Indien werden hier zunächst alle Rechnungsdaten an ein zentrales Portal übermittelt. Basierend auf den eingereichten Daten generiert das Portal einen Barcode, der alle relevanten Informationen enthält, und auf der Ausgangsrechnung abgebildet sein muss. Zusätzlich zum Golden Tax System wurde ein neues, länderspezifisches Dokumentenformat entwickelt, dessen Nutzung für Unternehmen ab 2022 verpflichtend sein wird.

Singapur
Singapur setzt seit einigen Jahren auf den europäischen Peppol Standard. Die Nutzung von E-Invoicing ist derzeit freiwillig, wird aber unter der Marke Invoice Now stark vermarktet, um mehr Unternehmen dazu zu motivieren, zeitnah auf E-Invoicing umzusteigen. Rund 35.000 Unternehmen (Stand: Juli 2021) können Invoice Now Rechnungen verschicken, die wiederum von allen Behörden angenommen und verarbeitet werden können. Um E-Invoicing noch stärker in den Fokus zu rücken, hat das Land starke Anreize geschaffen, zum Beispiel indem große Unternehmen bei der Umsetzung ihrer E-Invoicing IT-Projekte mit Zuschüssen in einer Höhe von bis zu 150.000 Singapur-Dollar (entspricht ca. 93.000 Euro) finanziell unterstützt wurden. Mehr über E-Invoicing in Singapur erfahren Sie in diesem Blogartikel.

Der Überblick zeigt deutlich, dass sich die Regierungen der verschiedenen Länder in Asien intensiv mit der Implementierung von E-Invoicing Standards auseinandersetzen. Insbesondere Südkorea und Indonesien sind vielen europäischen Ländern einen Schritt voraus und können bereits auf mehrere Jahre an E-Invoicing Erfahrung zurückblicken. Feststeht, dass sich Unternehmen, die im asiatischen Raum ansässig sind oder dort enge Geschäftsbeziehungen pflegen, dem Thema E-Invoicing nicht entziehen können.

Als offiziell bestätigter „PEPPOL Ready Accounting Solution Provider“ haben wir uns in Asien bereits intensiv mit E-Invoicing Projekten beschäftigt und mehrere Kunden in der Einführung einer entsprechenden Lösung unterstützt.