xSuite Blog

Expertenwissen zu Digitalisierung & Automatisierung von Geschäftsprozessen

Das war der E-Rechnungs-Gipfel 2021

28 .09 .2021

210928_Blog_E-Rechnungsgipfel_Neuss_Blog-Header

Am 20. und 21. September hat der E-Rechnungs-Gipfel in Neuss als hybride Veranstaltung stattgefunden. Nachdem wir seit 2018 jedes Jahr als Aussteller vertreten waren, haben wir es uns ebenso in diesem Jahr nicht nehmen lassen, dabei zu sein. Auch der diesjährige E-Rechnungs-Gipfel konnte mit hochkarätigen Speakern aufwarten, die das Thema E-Rechnung von allen Seiten beleuchtet haben.

Ich selbst konnte leider nicht alle Vorträge ansehen – zumal die Referenten parallel in zwei Streams gesprochen haben. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen aber gerne meine Eindrücke vom Event vermitteln. Für mich ist der E-Rechnungs-Gipfel das zentrale Stimmungsbarometer, welche aktuellen Themen und Trends es rund um die E-Rechnung in Deutschland gibt.

Trend 1: Die E-Rechnung wird weitergedacht – in Richtung P2P

In Deutschland gibt es zwei zentrale Standards für die E-Rechnung: ZUGFeRD und XRechnung. Das Format ZUGFeRD wird vom FeRD (Forum elektronische Rechnung Deutschland) betreut. Die XRechnung wurde von der KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) entwickelt. In Neuss haben Vertreter*innen beider Organisationen Vorträge gehalten.

Bei der KoSIT hieß der Vortrag „XRechnung rückwärts gedacht: Die standardbasierte Digitalisierung des Beschaffungsprozesses“. Der Titel des FeRD-Vortrags lautete „Order-X: Der aktuelle Stand und die nächsten Schritte“. Aus den Titeln lässt sich bereits ablesen, worum es in den jeweiligen Vorträgen ging. Beide Organisationen arbeiten an elektronischen Bestellformaten. Bei der KoSIT ist der Arbeitstitel „XBestellung“, vom FeRD wurde „Order-X“ bereits veröffentlicht. Ob XRechnung oder ZUGFeRD – der Trend geht also in jedem Fall in Richtung Digitalisierung der vorgelagerten Prozessschritte, hin zu einer ganzheitlichen P2P-Strecke.

Trend 2: Die E-Rechnung wird weitergedacht – in Richtung Real-Time-Reporting

Bereits Anfang 2019 hatte Italien eine umfassende E-Rechnungspflicht eingeführt. Damit verbunden ist ein Clearing-System und die Übertragung der Rechnungen über die staatliche Plattform SdI. (Mehr dazu lesen Sie in diesem Blogartikel). In diesem Kontext ist die E-Rechnung ein effektives Werkzeug, um die Umsatzsteuerhinterziehung einzudämmen.

Auch andere europäische Länder wie Frankreich, Polen oder Serbien haben in der Zwischenzeit die Einführung dieses oder ähnlicher Ansätze angekündigt. Folgende Modelle sind dabei denkbar:

1) Der Rechnungsversand erfolgt über eine staatliche Plattform (wie in Italien)
2) Der Rechnungsversand erfolgt weiterhin direkt vom Sender an den Empfänger, aber parallel geht eine Meldung an die Finanzverwaltung (als Real-Time-Reporting)
3) Zwischen Rechnungssender und -empfänger gibt es noch sogenannte „Trusted Agents“, die das Reporting an die Finanzverwaltung übernehmen

Zu diesem Themenfeld gab es ebenfalls mehr als einen Vortrag. Im Tenor stimmten diese überein: Auch wenn es Stand heute noch keine gesetzlichen Vorgaben dazu gibt, werden diese über kurz oder lang kommen. Sei es auf Ebene der EU oder auf Bundesinitiative. Die verpflichtende E-Rechnung für alle Transaktionen wird somit auch in Deutschland zunehmend wahrscheinlicher.

Trend 3: Die E-Rechnung wird weitergedacht – in Richtung Internationalisierung

Das ZUGFeRD-Format ist aus einer deutsch-französischen Kooperation hervorgegangen und entspricht dem französischen Format Factur-X. Damit ist ZUGFeRD bereits internationaler ausgerichtet als die XRechnung, die mit Fokus auf den deutschen Markt entwickelt wurde. An dieser Stelle gibt es Bewegung. Die Formate haben sich angenähert, inzwischen bietet ZUGFeRD auch die Möglichkeit, das Profil „XRechnung“ auszuwählen.

Ein wichtiges Thema auf dem E-Rechnungs-Gipfel waren der PEPPOL-Standard und das PEPPOL-Netzwerk. Hier zeigt sich, dass über den Netzwerkgedanken die Internationalisierung deutlich an Fahrt aufnimmt. Inzwischen wird der ursprünglich für die EU entwickelte Standard nämlich auch weit über die Grenzen Europas hinaus genutzt. Australien, Neuseeland oder Singapur setzen bereits auf PEPPOL. (Welcher Ansatz des E-Invoicings in Singapur verfolgt wird und welche Rolle PEPPOL dabei spielt, hat mein Kollege Marcus Rex in diesem Blogartikel erläutert).

Die E-Rechnung: Gekommen, um zu bleiben!

Neben diesen drei Trends, die beschreiben, in welche Richtung sich das Thema E-Rechnung aktuell weiterentwickelt, wurde im Rahmen der Veranstaltung auch deutlich, dass die E-Rechnung in der Praxis angekommen ist. Die Vorträge waren nicht mehr im Futur oder Konjunktiv formuliert: „Wie wird die Einführung der E-Rechnung ablaufen?“ und „Welche Vorteile würden sich daraus ergeben?“ – sondern es ging vielfach um Erfahrungsberichte. Wie viele E-Rechnungen wurden bereits über das Bundesportal angenommen bzw. wie hoch ist aktuell der Anteil? Wie hoch war die anfängliche Fehlerquote und wie konnte sie reduziert werden? Wie haben Auftraggeber ihre Lieferanten informiert? Das waren die Fragen, die in vielen Vorträgen gestellt und beantwortet wurden.

Auch mein Vortrag hat sich mit den Erfahrungen beschäftigt, die wir in über 100 erfolgreich umgesetzten E-Rechnungs-Projekten bei unseren Kunden sammeln konnten. Die Folien dazu können Sie hier herunterladen. Es sind auch ein paar spannende Marktzahlen und interessante Kundenstimmen enthalten, die unseren Eindruck vom Status Quo wiedergeben: Die E-Rechnung ist gekommen, um zu bleiben!

Während der laufenden Veranstaltung in Neuss, hat der Künstler Christian Ridder die Vorträge visuell auf eine Leinwand gebracht. Hier werden Zusammenhänge erklärt und Zukunftsthemen in Bezug zur E-Rechnung aufgegriffen (Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern):

ERGI2021_Grafik

Bildrechte: Christian Ridder, business-as-visual.com